Montag, 16. Oktober 2017

Die Frankfurter Buchmesse 2017

Ein paar Fakten und mein ganz persönlicher Messebericht

Gestern, am 15.10.2017, schloss die Buchmesse in Frankfurt ihre Pforten. Gegenüber dem Vorjahr konnten die Veranstalter ein Besucherplus von etwa 6,5 Prozent verzeichnen. Insgesamt haben 7.300 Aussteller aus 102 verschiedenen Ländern die Möglichkeit genutzt, die Literatur den Fachbesuchern und Lesern näher zu bringen. 286.425 Besucher sprechen eine recht deutliche Sprache.

Ich persönlich hatte das Gefühl, dass sich alle am Samstag in Frankfurt verabredet hatten. Ab der Mittagszeit waren die Gänge in den Hallen so voll, dass man kaum noch eine Chance hatte, eigene Wege zu gehen. Frankreich, Gastland der diesjährigen Buchmesse, hat am Schlusstag symbolisch die GastRolle an Georgien übergeben, das sich und seine Literatur im nächsten Jahr in Frankfurt präsentieren wird.

Insgesamt gab es auf dem Messegelände und in der Stadt mehr als 4.000 Veranstaltungen, an denen zahlreiche weltbekannte Autoren beteiligt waren. Nicht ganz ohne Stolz möchte ich an dieser Stelle das Engagement der Brighton Verlags GmbH aus Framersheim erwähnen, die ihren Autorinnen und Autoren – und damit auch mir – die Möglichkeit geschaffen hat, uns und unsere Bücher in Frankfurt zu präsentieren. Das passierte nicht nur am Messestand in Halle 3.1, sondern auch im Innenhof der Buchmesse im Signier- und Lesezelt. 

Während die erste Vierergruppe des Verlags, zu der auch ich gehörte, noch ohne Mikrofon gegen die Umgebungsgeräusche ankämpfen musste, gelang es später doch noch, Mikro und Lautsprecher zu organisieren. Hier muss man schon der Messeleitung ein Armutszeugnis ausstellen. Wenn ein Verlag Lesezeiten für seine Autoren bucht, gehört in das Zelt selbstverständlich eine Mikrofonanlage mit Lautsprecher. Dass man, wie die Messeleitung auf Befragen mitteilte, danach extra fragen müsste, war mir persönlich ziemlich unverständlich. Schließlich kassiert man nicht gerade wenig Geld von den Verlagen, die ihren Autoren dort Präsentationsmöglichkeiten bieten wollen.

Ein großes Lob muss ich den Sicherheitskräften auf der Frankfurter Buchmesse aussprechen. Angefangen von den Taschenkontrollen bis hin zur Polizeipräsenz drinnen und draußen hatte man zu jeder Zeit ein großes Gefühl von Sicherheit. Dass es trotzdem tatsächlich zu tätlichen Auseinandersetzungen und Sachbeschädigungen in einzelnen Messehallen gekommen ist, hat außer den direkt Beteiligten vermutlich niemand registriert. Sirenen sind nichts Ungewöhnliches bei einer Großveranstaltung und werden von den Besuchern kaum zur Kenntnis genommen. Was sich dahinter verbarg, nämlich politische Auseinandersetzungen und – im Fall des Sängers Roberto Blanco – familiäre Streitigkeiten, hat man erst später durch die Presse erfahren.

Eines möchte ich dazu noch sagen: Unabhängig davon, welche politische Meinung ein Mensch vertritt, gehört Toleranz gegenüber Andersdenkenden für mich zu einer Demokratie dazu. Eine Buchmesse dient in allererster Linie dazu, die kulturelle Vielfalt der literarischen Welt zu dokumentieren. Dies zum Anlass zu nehmen, Messestände zu demolieren und Verlage und Verlagsmitarbeiter anzugreifen, halte ich schlichtweg für ein Verbrechen, das geahndet werden muss. Jeder Messebesucher hat die Freiheit, sich auszusuchen, was er in Frankfurt sehen möchte. Wäre es da nicht der bessere – und friedlichere – Weg, einfach vorbeizugehen und Dinge nicht nur Kenntnis zu nehmen, die man dort nicht sehen möchte? Oder ist es vielleicht auch eine Gelegenheit, sind zusätzliche Informationen zu verschaffen, die es möglich machen, gewissen Strömungen mit dem notwendigen Hintergrundwissen in der Öffentlichkeit entgegenzuwirken? Gewalt ist für mich jedenfalls keine Lösung und hat auf einer solchen Veranstaltung auch definitiv nichts zu suchen.

Die offizielle Stellungnahme der Messeleitung finde ich persönlich goldrichtig. Sie lautet:
„Auf der Frankfurter Buchmesse kommen an fünf Tagen mehr als 280.000 Besucherinnen und Besucher aus über 150 Ländern zusammen. Sie ist ein Ort, der von einer enormen Vielfalt an Meinungen lebt. Wir lehnen die politische Haltung und verlegerischen Aktivitäten der Neuen Rechten entschieden ab. Dennoch sind wir als Veranstalter der größten internationalen Messe für Bücher und Medien dem Grundrecht auf freie Meinungsäußerung verpflichtet. Konflikte bleiben hier nicht aus. In diesem Jahr wurden wir Zeugen von Handgreiflichkeiten, die von der Polizei aufgelöst wurden. Gewalt als Mittel der Auseinandersetzung verurteilen wir aufs Schärfste.“

Ich bin in diesem Jahr am ersten Publikumstag nach Frankfurt gefahren. Bisher war ich immer freitags dort. Fachbesuchertage sind wesentlich angenehmer, weil es einfach nicht so voll ist. Natürlich muss man freitags auf die vielen bunten Kostüme verzichten, die am Wochenende überall zu bewundern sind. Dafür kann man aber auch relativ ungehindert an jeden Messestand gelangen, der einen interessiert. Das Schöne an diesem Samstag war, dass viele Mitglieder des Brighton-Teams anwesend waren. Ich habe alte Bekannte wieder getroffen und neue Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Immer wieder stelle ich bei solchen Gelegenheiten fest, dass wir eigentlich wie eine große Familie sind. Dazu trägt natürlich die Herzlichkeit der Verlegerin und der Verlagsmitarbeiter, die uns in Frankfurt wieder perfekt unterstützt haben, erheblich bei. Das strahlend-schöne Herbstwetter mit azurblauem Himmel, viel Sonne und Temperaturen über 20 Grad sorgte ebenfalls für richtig gute Laune.

Der etwas unangenehme Nebeneffekt: Wenn es draußen warm ist, ist die Luft in den Hallen immer schlecht. Bis heute hat es dort offensichtlich noch niemand geschafft, für eine gut funktionierende Belüftung zu sorgen. Das ist zum Beispiel in Leipzig ganz anders. Aber natürlich sind die Messehallen in Leipzig auch wesentlich moderner.
















Mein Fazit: Die Anreise nach Frankfurt war stressig wie in jedem Jahr. Unzählige Baustellen und viel Nebel machten die Fahrt nicht gerade angenehm. Auf der Rückfahrt am frühen Nachmittag war es deutlich besser. Es ist anstrengend, für nur einen Tag nach Frankfurt zu fahren. 500 Kilometer auf der Autobahn, eine Lesung, ein bisschen Unterstützung am Messestand und der Rundgang durch die Messehallen fordern so ihren Tribut. Man wird ja schließlich nicht jünger. Ich stelle erste Überlegungen an, ob ich im nächsten Jahr vielleicht über Nacht bleibe und das Ganze ein wenig entzerre. Das hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass man sich nach der Messe noch mit ein paar Kollegen zum Essen oder auf ein Glas Wein treffen könnte. Mal sehen.
Für dieses Jahr ist die Frankfurter Buchmesse erst einmal vorbei. Neue Events stehen an. Allen voran die Halloween Nibelungen-Buchmesse des Brighton Verlags in Framersheim am letzten Oktoberwochenende. Für mich ist es die dritte Verlagsmesse, an der ich teilnehmen darf und ich bin sicher, wir werden wieder ungeheuer viel Spaß haben.
Eine kleine Bildergalerie aus Frankfurt zum Schluss meines Messeberichtes bietet hoffentlich auch einen optischen Eindruck von der Vielfalt, die eine große Buchmesse zu bieten hat.


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