Freitag, 16. März 2012
Samstag, 10. März 2012
Heute möchte ich euch mit einer kleinen Leseprobe neugierig machen
Leseprobe aus "Anonymus@", Teil vier der Werne-Krimi-Reihe von Renate Behr:
Jens
hatte Werne schon fast erreicht, als sein Handy klingelte. Im
Display stand der Name seiner Kollegin.
»Was
gibt’s, Schneiderlein, ich habe Feierabend.«
»Ich
weiß, Jens. Bist du schon zu Hause? Noch nicht, prima.
Kannst
du bitte am Krankenhaus vorbeifahren. Wir hatten eben so
einen merkwürdigen Anruf und du bist ja schonfast
da. Sonst müsste ich die Kollegen der Spätschicht rüberschicken, und
wenn es nur ein falscher Alarm ist, wäre dasecht
übel.«
»Was
denn für einen Anruf?«
»Da
hat sich ein Leichenbestatter gemeldet, dem man eine
Leiche aus dem Wagen gestohlen haben soll.«
»Eine
Leiche? Das kann doch wohl nicht dein Ernst sein. Da
will uns doch jemand verarschen.«
»Genau
das habe ich mir auch gedacht. Deswegen dachte ich ja
auch, du fährst da kurz vorbei, überzeugst dich davon,dass
es nur ein übler Witz ist und fährst dann weiter nach
Hause.«
Jens
seufzte.
»Also
schön, dann mache ich das mal eben. Ich ruf dich
gleich
noch mal an.«
Als
Jens Wischkamp das Krankenhaus in Werne erreichte, erkannte
er sofort, dass es sich offensichtlich nicht umeinen
üblen Scherz gehandelt hatte. Er war gleich nach unten zum
Wirtschaftshof durchgefahren, denn er wusste, dassdie
Bestatter zur Abholung von Verstorbenen diese Zufahrt benutzten.
Dort stand ein Leichenwagen, auf dessen Ladefläche sich
ein geöffneter, aber leerer Sarg befand. Daneben stand
ein weißhaariger, älterer Herr, der immerzu den Kopf schüttelte.
Jens stellte sich vor.
»Was
ist denn genau passiert? Erzählen Sie mal.«
»Ich
war bestellt worden, um einen Verstorbenen abzuholen. Die
Angehörigen hatten mich mit der Organisation derBestattung
beauftragt. Wir haben den Sarg mit dem Leichnam in den
Wagen gebracht, dann bin ich zurückgegangen, um die notwendigen
Papiere zu unterschreiben. Das machen wir immer so. So
etwas ist mir noch nie passiert. Wer stiehlt denn eine Leiche?
Und was soll ich denn jetzt nur der Familie erzählen?«
Der
Mann war fassungslos. Auch Jens konnte kaum glauben, was er
da gerade gehört hatte. Es war helllichter Tag,da
konnte man doch nicht einfach einen Toten huckepack nehmen
und seiner Wege gehen. Er griff zum Telefon.
»Schneiderlein,
ich bin‘s, Jens. Schick mir bitte ein Team von
der Spurensicherung zum Krankenhaus nach Werne.Das
war kein Witz, hier ist tatsächlich eine Leiche geklaut worden.
Meinen Feierabend kann ich mir jetzt wohl mal erstabschminken.
Ruf bitte meine Frau an und sag ihr, es kann später
werden.«
Dann
legte er auf und wandte sich wieder dem Bestatter zu.
»Den
Wagen müssen wir auf Spuren untersuchen. Vielleicht führt
uns das zum Täter. Die Kollegen sind in etwa einerStunde
da, solange dürfen Sie nichts anfassen. Ich nehme jetzt
Ihre Personalien auf, dann können Sie gern erst mal nach
Hause gehen. Wir rufen Sie an, wenn Sie Ihren Leichenwagen wieder
abholen können.«
Unruhig ging er auf und ab. Das hatte er so nicht
geplant. Er hatte spontan gehandelt und nun musste er nachdenken.
Er fragte sich, wieso ein kleiner toter Mann so schwer
war. Es hatte ihm sehr viel Mühe bereitet, ihn allein bis zu
seinemFahrradanhänger zu tragen. Dass ihn dabei niemand
gesehen hatte, kam ihm jetzt wie ein kleines Wunder vor. Er warleichtsinnig gewesen. Aber die Gelegenheit erschien ihm
so günstig. Und jetzt musste er überlegen, wie es
weitergehensollte. Er nahm das Buch zur Hand. Wieder war er von der Originalvorlage abgewichen. Eigentlich hätte er den Tod
selbst herbeiführen müssen. Er hatte immer wieder
versucht sich vorzustellen, wie er das anfangen sollte. Er hatte
Angstgehabt, Angst zu versagen. Und dann hatte er diesen Sarg gesehen, ganz zufällig. Eigentlich wollte er nur ein
wenig amSee spazieren gehen und dazu die Abkürzung über den
Wirtschaftshof des Krankenhauses nehmen.
Dieser Sarg hatteihn einfach magisch angezogen. Er würde sein größtes Problem lösen können. Er hatte gar nicht weiter nachgedacht. Er wollte einfach nur diese Leiche haben. Das würde es leichter machen. Dann war er nach Hause gefahren. Der Tote lag noch immer gut abgedeckt in seinem Anhänger. Er musste die Nacht abwarten, bevor er ihn ins Haus holen konnte. Der kleine alte Mann war doch schon tot. Ihm konnte es egal sein, was jetzt mit ihm passierte. Wieder sah er auf das Buch. Der, über den da geschrieben worden war, der hatte keine Angst gehabt. Der musste sich nicht irgendwo einen Toten stehlen. Der hatte selbst dafür gesorgt, dass jemand sein Leben verlor. Er hatte sich vorgenommen, alles das zu tun, was der im Roman auch getan hatte. Aber er hatte es mit der Angst zu tun bekommen. Es hatte ihm ja auch keinen Spaß gemacht, die beiden Katzen zu töten. Er hatte sich schlecht gefühlt dabei. Beinahe hatte er sich übergeben müssen, als er sie zerschnitt. Er würde nie so stark sein wie der Typ im Roman. Versager, hallte es in seinem Kopf. Er presste beide Fäuste an die Schläfen. Doch er würde es allen beweisen. Dieser kleine tote alte Mann in seinem Auto, das war nur der Anfang. Sie würden schon sehen, alle würden sie sehen, dass er kein Versager war. Er würde es allen beweisen, dass er stark sein konnte. Und er würde dafür sorgen, dass zumindest dieses eine Buch berühmt wurde. Dieser Ruhm würde dann seinem Idol zugutekommen und ihn dahin bringen, wohin er gehörte. Er, er allein, würde dafür sorgen, dass das auch wirklich so passierte. Diese Abweichung würde die Letzte sein, die er sich gestattete. Heute Nacht würde er sich seine allerletzte Schwäche zugestehen.
Dieser Sarg hatteihn einfach magisch angezogen. Er würde sein größtes Problem lösen können. Er hatte gar nicht weiter nachgedacht. Er wollte einfach nur diese Leiche haben. Das würde es leichter machen. Dann war er nach Hause gefahren. Der Tote lag noch immer gut abgedeckt in seinem Anhänger. Er musste die Nacht abwarten, bevor er ihn ins Haus holen konnte. Der kleine alte Mann war doch schon tot. Ihm konnte es egal sein, was jetzt mit ihm passierte. Wieder sah er auf das Buch. Der, über den da geschrieben worden war, der hatte keine Angst gehabt. Der musste sich nicht irgendwo einen Toten stehlen. Der hatte selbst dafür gesorgt, dass jemand sein Leben verlor. Er hatte sich vorgenommen, alles das zu tun, was der im Roman auch getan hatte. Aber er hatte es mit der Angst zu tun bekommen. Es hatte ihm ja auch keinen Spaß gemacht, die beiden Katzen zu töten. Er hatte sich schlecht gefühlt dabei. Beinahe hatte er sich übergeben müssen, als er sie zerschnitt. Er würde nie so stark sein wie der Typ im Roman. Versager, hallte es in seinem Kopf. Er presste beide Fäuste an die Schläfen. Doch er würde es allen beweisen. Dieser kleine tote alte Mann in seinem Auto, das war nur der Anfang. Sie würden schon sehen, alle würden sie sehen, dass er kein Versager war. Er würde es allen beweisen, dass er stark sein konnte. Und er würde dafür sorgen, dass zumindest dieses eine Buch berühmt wurde. Dieser Ruhm würde dann seinem Idol zugutekommen und ihn dahin bringen, wohin er gehörte. Er, er allein, würde dafür sorgen, dass das auch wirklich so passierte. Diese Abweichung würde die Letzte sein, die er sich gestattete. Heute Nacht würde er sich seine allerletzte Schwäche zugestehen.
Mittwoch, 29. Februar 2012
Rezension zum zweiten Werne-Krimi
Cristal Blue von Renate Behr
Eines Nachts wird Kommissar Wischkamp zu einem Leichenfund gerufen. In der Nähe von Schloss Nordkirchen liegt ein Toter, vermutlich Osteuropäer. Nun ist es mit der Ruhe und Beschaulichkeit in und um Werne herum vorbei. Die organisierte Bandenkriminalität aus Russland macht sich breit und stellt den Kommissar vor schier unlösbare Probleme. Drogenhandel, Prostitution, internationaler Waffenhandel, Entführung und Mord.
Jens Wischkamp schaltet das BKA ein. Als dann auch noch zwei junge Mädchen aus Werne spurlos verschwinden, wird die Lage sehr, sehr ernst. Unerwartete Hilfe kommt aus Moskau. Ein Oberst der russischen Miliz beteiligt sich mit wertvollen Informationen an den Ermittlungen. Doch viel Zeit bleibt nicht mehr und eigentlich kann nur ein Wunder helfen ...
»Cristal Blue« ist der zweite Fall des Kriminalhauptkommissars Jens Wischkamp aus der Feder von Renate Behr. In diesem richtet die Autorin ihren Fokus nicht nur auf das gewohnte Umfeld des Hauptprotagonisten, sondern blickt über die deutschen Landesgrenzen in Richtung Osten. Die Storyline beinhaltet eine hoch brisante Thematik, wie sie aktueller nicht sein kann. Vor Kurzem äußerte ein russischer Handelsvertreter mir gegenüber, dass in seiner Heimat ein Menschenleben nichts wert sei. Dieser Fakt, den Renate Behr aufgreift, durchzieht den Roman wie ein roter Faden und dokumentiert, dass Menschenverachtung, Brutalität und organisierte Kriminalität der russischen Mafia auch in Deutschland auf der Tagesordnung stehen.
In »Cristal Blue« führt die Autorin Protagonisten ein, die unterschiedlicher nicht sein können. Renate Behr lässt sie an und von verschiedenen Orten aus agieren und hat somit Handlungsstränge, die untereinander abgestimmt den Verlauf der Storyline vorantreiben. Es sind nicht nur die kriminellen Machenschaften von Jelzin Dimitrov, die Wischkamp zu schaffen machen. Es ist auch die Sorge um jene, die ihm nahestehen. Dieser Mix macht den Reiz von »Cristal Blue« aus. Und die Autorin hat erneut bewiesen, dass sie ihr schriftstellerisches Handwerk beherrscht.
Das Covermotiv in Blau/Schwarz/Weiß ist gut ausgewählt und gibt aus meiner Sicht zwei Möglichkeiten preis, in der die Storyline laufen kann: ein Spielcasino oder russisches Roulett.
Leider hat sich der Verlag bei der Gestaltung des Aussen- und Innenlayouts nicht viel Mühe gemacht. Klappentext und Prolog (Seite 5) sind nicht als Blocksatz gedruckt.
Viele Rechtschreibfehler wurden durch das Korrektorat übersehen. Man sollte konsequent die neue deutsche Rechtschreibung von Beginn an anwenden. Was mehrere (Und) bedeuten sollen, die ich im Übrigen für überflüssig halte, kann letztendlich das Lektorat und Korrektorat mir sagen.
Fazit:
»Cristal Blue« ist ein flüssig lesbarer Roman, der durch Verknüpfung verschiedener Handlungsstränge brilliert. Zu jeder Zeit ist man virtuell an den Orten des Geschehens.
© Wolfgang Brandt
Samstag, 25. Februar 2012
Wie entsteht ein serienfähiger Romancharakter?
Autorin Renate Behr plaudert aus dem „Nähkästchen“ ...
Als ich mit dem ersten Romanmanuskript eines Regionalkrimis
auf Verlagssuche ging, war die häufigste Frage, die mir gestellt wurde, ob man
daraus eine Serie machen kann. Die Entscheidung fiel mir nicht schwer und so
entstand die Werne-Krimi-Reihe.
Was aber macht eine Serie aus? Richtig, ein Protagonist, der
immer eine Rolle spielt, sich aber durchaus entwicklungsfähig zeigen muss. Bei
meinen Krimis war mir von Anfang an klar, dass nur zwei Personen infrage kamen,
die eine gewisse Serientauglichkeit hatten. Kommissar Wischkamp von der Kripo
in Unna und die junge Fotografin Silvia Markbohm, die im Mittelpunkt meines
ersten Romans stand. Es fiel mir aber relativ schwer, mich für einen der beiden
Charaktere zu entscheiden. Also beschloss ich, diese beiden Persönlichkeiten
miteinander zu verbinden. Der Anfang der Liebesgeschichte war ja in „Silvias
Flucht“ bereits gemacht.
Ich musste mir nun also überlegen, wie die Geschichte mit
Jens und Silvia weitergehen sollte. Gleichzeitig wollte ich aber auch den
Charakter meines Kommissars noch besser und deutlicher darstellen. Ich fing
also damit an, für beide einen kleinen Lebenslauf zu erstellen. Danach war
eigentlich alles ganz einfach. Man baut in jeden Handlungsstrang auch
Alltäglichkeiten ein, lässt die Personen aneinander wachsen und bietet
Zukunftsperspektiven. Im privaten Bereich von Jens und Silvia waren das
zunächst die Heirat, ein Umzug und – wer weiß es jetzt schon? – vielleicht später
auch einmal Kinder. Ob sich mein Kommissar nach einem seiner nächsten Fälle
beruflich weiterentwickelt, vielleicht befördert wird – man wird es sehen. Ein
erstes Angebot, zum Landeskriminalamt zu wechseln, hat er im vierten Teil der
Werne-Krimi-Reihe ja bereits abgelehnt. Aber auch hier sind noch viele
Möglichkeiten offen.
Lassen Sie sich also überraschen, was meinen beiden
Protagonisten in den weiteren Büchern noch so alles bevorsteht.
Mittwoch, 22. Februar 2012
Rezension zu "Silvias Flucht", Werne-Krimi Teil 1
Rezension - Silvias Flucht von Renate Behr aus der
Werne-Krimi-Reihe
Kommissar Wischkamps erster Fall
Kommissar Wischkamps erster Fall
In die Villa eines Industriellen in Düsseldorf wird
eingebrochen. Der Hausherr kommt verfrüht zurück und überrascht den Täter, der
ihn mit einer Marmorstatue erschlägt. Aufgrund von Tatortspuren wird der
Kleinkriminelle Rolf Kettler festgenommen und vom Landgericht Düsseldorf zu
einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt. Mehr als zehn Jahre nach diesem
Verbrechen entschließt sich die Hamburger Fotografin Silvia Markbohm der
hektischen Großstadt zu entfliehen und übernimmt ein Fotogeschäft in Werne an
der Lippe. An ein und demselben Tag lernt Silvia dort zwei Männer kennen, den
etwas undurchsichtigen Journalisten Marius Müller und den Rentner Walter
Grossenberg. Marius Müller fasziniert die junge Frau auf Anhieb, aber etwas
scheint mit ihm nicht zu stimmen. Walter Grossenberg, der sich selbst als Hobbykriminologe
bezeichnet, hilft Silvia dabei, sich Informationen über Müller zu verschaffen.
Als im Haus des als Sonderling und Menschenfeind bekannten Peter von Grün
eingebrochen wird, erweisen sich diese Informationen als wichtige Hinweise auf
einen möglichen Täter. Hauptkommissar Jens Wischkamp von der Kriminalpolizei in
Unna nimmt die Ermittlungen auf. Erpressung, Entführung und Mord – die
Ereignisse überschlagen sich und inmitten dieser Verbrechen gerät Silvia
Markbohm in große Gefahr. Für Kommissar Wischkamp beginnt ein Wettlauf mit der
Zeit. Wird er den Fall rechtzeitig aufklären, bevor alles außer Kontrolle
gerät? Nach ihren historischen Romanen »Champaine 1897«, »Nenana 1904« und
»Dawson City 1915«, erschienen im Persimplex Verlag Wismar, begibt sich die
Autorin Renate Behr auf ein für sie neues Terrain, dem Regionalkrimi.
»Silvias Flucht« heißt ihr neues Werk, welches im Autoren- Feder Verlag Meinerzhagen verlegt wird. Silvia Markbohm entflieht dem Großstadtflair der Hansestadt Hamburg und bekommt in der Lippestadt Werne von Frau Bockmann, Inhaberin eines Fotogeschäfts, die Möglichkeit, dieses nach ihren Vorstellungen neu zu eröffnen.
Neu in der westfälischen Stadt versucht Silvia, sich einzuleben, lernt einige Menschen kennen und gerät in eine nicht nur für sie verzwickte und gefährliche Situation … Renate Behrs Versuch, einen Krimi zu schreiben, ist ihr - aus meiner Sicht gesehen - weitgehendst gelungen. Obwohl die Autorin in »Silvias Flucht« sehr viel Wert auf Lokalkolorit legt und in einigen Passagen Motive und Handlungen ihrer Protagonisten Rolf Kettler, Marius Müller, Peter von Grün etwas zu klischeehaft beschreibt sowie die Entwicklung der Handlungsstränge für einen Krimifreak teilweise vorhersehbar sind , liest sich der Regionalkrimi sehr flott. Durch eine Reihe von zufälligen Begebenheiten und Erlebnissen gelingt es Silvia Markbohm mithilfe des Hauptkommissars Jens Wischkamp und dem Hobbykriminologen Walter Grossenberg, im Verlauf der Handlung in der Tat herauszufinden, wer und was hinter dem Düsseldorfer Fall steckt. Und gerade durch diesen Fall versteht es die Autorin Renate Behr, die Handlung ihres Krimi-Debüt-Romans voranzutreiben. Die Lektüre hat Spaß gemacht, das Ende schätze ich sogar als realistisch und gar nicht krimiromantypisch ein, wobei es doch einer bleibt und man in der Polizeiarbeit rund um Unna wohl kaum einem westfälischen Wischkamp finden dürfte.
»Silvias Flucht« heißt ihr neues Werk, welches im Autoren- Feder Verlag Meinerzhagen verlegt wird. Silvia Markbohm entflieht dem Großstadtflair der Hansestadt Hamburg und bekommt in der Lippestadt Werne von Frau Bockmann, Inhaberin eines Fotogeschäfts, die Möglichkeit, dieses nach ihren Vorstellungen neu zu eröffnen.
Neu in der westfälischen Stadt versucht Silvia, sich einzuleben, lernt einige Menschen kennen und gerät in eine nicht nur für sie verzwickte und gefährliche Situation … Renate Behrs Versuch, einen Krimi zu schreiben, ist ihr - aus meiner Sicht gesehen - weitgehendst gelungen. Obwohl die Autorin in »Silvias Flucht« sehr viel Wert auf Lokalkolorit legt und in einigen Passagen Motive und Handlungen ihrer Protagonisten Rolf Kettler, Marius Müller, Peter von Grün etwas zu klischeehaft beschreibt sowie die Entwicklung der Handlungsstränge für einen Krimifreak teilweise vorhersehbar sind , liest sich der Regionalkrimi sehr flott. Durch eine Reihe von zufälligen Begebenheiten und Erlebnissen gelingt es Silvia Markbohm mithilfe des Hauptkommissars Jens Wischkamp und dem Hobbykriminologen Walter Grossenberg, im Verlauf der Handlung in der Tat herauszufinden, wer und was hinter dem Düsseldorfer Fall steckt. Und gerade durch diesen Fall versteht es die Autorin Renate Behr, die Handlung ihres Krimi-Debüt-Romans voranzutreiben. Die Lektüre hat Spaß gemacht, das Ende schätze ich sogar als realistisch und gar nicht krimiromantypisch ein, wobei es doch einer bleibt und man in der Polizeiarbeit rund um Unna wohl kaum einem westfälischen Wischkamp finden dürfte.
Fazit:
»Silvias Flucht« hat, so skurril es auch klingen mag, etwas Gemütliches und Anheimelndes, wenn man Leichen dort entdecken kann, wo man gewöhnlich seine Sonntagsspaziergänge macht oder sich mit Freunden und Bekannten zum Frühschoppen trifft. Ja, liebe Leser: In der »Heimat« ist das Morden eben doch am Schönsten (frei nach Tony Marshall). Ich warte schon gespannt auf den nächsten Fall.
© Wolfgang Brandt, Chefredakteur des Online-Magazins www.geisterspiegel.de
»Silvias Flucht« hat, so skurril es auch klingen mag, etwas Gemütliches und Anheimelndes, wenn man Leichen dort entdecken kann, wo man gewöhnlich seine Sonntagsspaziergänge macht oder sich mit Freunden und Bekannten zum Frühschoppen trifft. Ja, liebe Leser: In der »Heimat« ist das Morden eben doch am Schönsten (frei nach Tony Marshall). Ich warte schon gespannt auf den nächsten Fall.
© Wolfgang Brandt, Chefredakteur des Online-Magazins www.geisterspiegel.de
Dienstag, 21. Februar 2012
Ein paar Impressionen aus Werne an der Lippe
Hier finden alle Fans der Werne-Krimi-Reihe Tatortfotos und mehr ...
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Impressionen aus Werne an der Lippe: Tatortfotos und mehr
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Impressionen aus Werne an der Lippe: Tatortfotos und mehr
Montag, 20. Februar 2012
Neue Ermittlungsmethoden auch für Kommissar Wischkamp
Seit Juli 2009 setzt die Polizei in Nordrhein-Westfalen speziell ausgebildete Suchhunde ein. Mantrailing heißt die neue Ermittlungsmethode, für die ausgesuchte Hunde bereits ab dem Welpenalter trainiert werden. Normalerweise dauert diese spezielle Ausbildung in der Spurensuche etwa zwei Jahre. Im dritten Teil der Werne-Krimi-Reihe soll eine Hundestaffel mit speziell für das Mantrailing ausgebildeten Hunden helfen, der Organmafia auf die Spur zu kommen.
Und hier ein paar Informationen zum Mantrailing:
Während ein Fährtensuchhund sich an mehr Bodenverletzungen, also an Fußabdrücken mit Geruchsablagerungen orientiert, sind Mantrailer darauf spezialisiert, Gerüche aus Hautschuppen aufzunehmen, zu erkennen und zu verfolgen. Durchschnittlich verliert ein Mensch bis zu 4.000 Hautschuppen pro Minute. Sie werden bei jeder Bewegung verwirbelt und verstreut und können sogar durch die Klimaanlage aus einem fahrenden Auto in die Umgebung abgegeben werden.
Diese Hautschuppen enthalten menschliche Hautzellen, aber auch Rückstände von Kosmetika und bei verletzten Personen auch Blut. Durch Bakterien entsteht der menschliche Geruch, der einzigartig ist wie ein Fingerabdruck. Anhand von Geruchsträgern wie zum Beispiel Kleidungsstücken, Zahnbürsten oder Rasierapparaten wird der zum Mantrailer ausgebildete Hund konditioniert, genau diesen Geruch aufzuspüren. Das kann er sowohl in freier Natur als auch in Gebäuden oder auf bebauten Flächen tun. Hier gilt, je intensiver der Ausgangsgegenstand nach der jeweiligen vermissten Person riecht, umso leichter findet der Hund eine Spur.
Ein zum Mantrailer ausgebildeter Personenspürhund ist dabei in der Lage, einzelne menschliche Gerüche voneinander zu unterscheiden. Er kann sich komplett darauf konzentrieren, nur nach diesen speziellen Geruchsmerkmalen zu suchen, ohne sich von anderen Gerüchen in der Umgebung ablenken zu lassen. Für die Hunde bedeutet das ein Höchstmaß an Konzentration, das schnell zur Erschöpfung führen kann. Es ist deshalb wichtig, dass solche Suchen immer nur in Etappen ausgeführt und dem Hund Entspannungszeiten angeboten werden.
Mit einem Mantrailer kann eine Suche auch noch längere Zeit nach dem Verschwinden einer Person durchgeführt werden. Hautzellen zum Beispiel behalten ihren Geruch etwa 36 Stunden lang. Ist in den Hautzellen Blut enthalten, können Spuren anhand der roten Blutkörperchen bis zu 120 Tage nach Entstehen der Spur von einem Mantrailer noch wahrgenommen werden. Einflüsse wie chemische Substanzen oder die allgemeinen Witterungsbedingungen können die Haltbarkeit einer Spur verlängern, aber auch verkürzen. Gut geeignet sind neben Schweißhunden auch alle Retrieverrassen. In Nordrhein-Westfalen werden auch Malinois, also belgische Schäferhunde, zu Mantrailern ausgebildet.
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